Biomasse-Boom gefährdet Lebensraum der Indigene
Die sozialen, ökologischen und ökonomischen Auswirkungen von Treibstoffen aus Biomassen müssen von der Europäischen Union und den nationalen Regierungen beachtet werden. Das fordern Städte und Gemeinden in einer Resolution, die sie während der Internationalen Klima-Bündnis-Jahreskonferenz vom 1. bis 4. April 2008 in Aachen und Heerlen beschlossen haben.
Im Verkehrsbereich, stellen die Klima-Bündnis-Kommunen fest, kann eine Verringerung der CO2-Emissionen nur durch Einsparungen und eine höhere Energieeffizienz erreicht werden. Insbesondere verlangen sie, dass Agrotreibstoffe nicht aus Entwicklungsländern importiert werden, da ohne eine entsprechende Zertifizierung sowohl die ökologische als auch die soziale und ökonomische Bilanz negativ ausfällt. Die energetische Nutzung biogener Abfall- und Reststoffe wird dagegen nicht in Frage gestellt.
Biomasse gilt - neben Wind, Sonne und Erdwärme - als Hoffnungsträger bei der Suche nach Alternativen für die fossilen Energien. Beim Wachstum der Pflanzen wird das CO2 aufgenommen, das später bei der Verbrennung wieder freigesetzt wird. Allerdings werden die Nutzpflanzen stark gedüngt, energieintensiv geerntet und aufwändig zu Agrotreibstoffen verarbeitet. Werden die Pflanzen zudem in den tropischen Regionen in Amerika oder Asien angebaut, werden vorher oft erst die Urwälder abgebrannt. Damit ist die ökologische Gesamtbilanz schlechter als bei Benzin und Diesel aus fossilen Quellen.
Die indigenen Partner des Klima-Bündnis haben sich bereits 2004 kritisch zu dem weltweiten Boom von Biomasse geäußert. Sie warnten nicht nur vor der Gefährdung sensibler Ökosysteme, sondern auch, dass nachhaltig genutzter Lebensraum für die ansässige, meist indigene Bevölkerung verloren gehe. Diego Iván Escobar Guzman, stellvertretender Vorsitzender des Klima-Bündnis und Umweltkoordinator der Indigenenorganisation im Amazoanasgebiet COICA, berichtete heute den KonferenzteilnehmerInnen eindrucksvoll von Vertreibungen wegen der Anlage von Ölpalmplantagen in Südamerika.
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Das „Klima-Bündnis der europäischen Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder e.V.“ ist das größte thematische Städtenetzwerk in Europa. Die über 1400 Mitgliedskommunen sind eine Partnerschaft mit indigenen Völkern der Regenwälder eingegangen, um gemeinsam das globale Klima zu schützen. Aufgabe der Mitglieder des im Jahr 1990 gegründeten Städtenetzwerkes ist die Ausarbeitung und Umsetzung lokaler Klimaschutz-Maßnahmen insbesondere in den Bereichen Energie und Verkehr sowie die Zusammenarbeit mit indigenen Völkern zum Erhalt der tropischen Regenwälder.
Quelle: Pressemitteilung vom 03.04.2008, openPR