Kommt die ökologische Wende in der Strombranche nun doch schneller als gedacht? Laut eines Berichts auf Spiegel Online könnte der Traum von emissionsfreier und dauerhaft verfügbarer Energie schon in diesem oder spätestens im nächsten Jahr wahr werden. Denn nach der Meinung vieler Experten könnte die Energie aus Photovoltaik Anlagen bereits in ein paar Monaten so günstig wie herkömmlicher Strom aus der Steckdose sein.
Die Ursache für die riesige Kostensenkung in der Gewinnung von Solarenergie liegt in dem gigantischen Preisverfall, der zur Zeit bei Solarzellen stattfindet. Während ein kristallines Solarmodul im Herbst 2008 noch 3,50 Euro pro Watt gekostet hat, sind es gegen Ende des Jahres 2008 nur noch drei Euro gewesen. Seit Anfang des Jahres 2009 ist der Preis sogar bis auf 2,60 Euro gefallen und Kenner der Branche behaupten, dass man Solarmodule von namhaften Markenherstellern inzwischen sogar für 2,30 Euro einkaufen kann. Die Differenz entspricht einem Preisverfall von 35 Prozent innerhalb des letzten halben Jahres.
Doch damit sind die Preise für Solarmodule noch lange nicht auf ihrem Tiefstand angekommen. Die Berater von iSuppli sehen in naher Zukunft Preise von ca. zwei Euro pro Watt und Jesse Pichel, Analyst bei der Investmentbank Piper Jaffray & Co. geht sogar von knapp 1,70 Euro pro Watt aus. Für 2010 gibt es sogar bereits eine Ankündigung des norwegischen Solarkonzerns REC, die ab dem nächsten Jahr Module für einen Euro pro Watt produzieren wollen.
Hintergründe des Preissturzes bei Solarmodulen sind u.a.:
- Die Senkung der staatlich garantierten Vergütung für Solarstrom laut Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf nur noch 43 Cent je Kilowattstunde. Bei sinkenden Erträgen müssen die Hersteller selbstverständlich ihre Preise anpassen.
- Die aktuell riesige globale Überproduktion von Solarmodulen (iSuppli schätzt für 2009 ein Angebot von 11,1 Gigawatt und eine Nachfrage von 4,2 Gigawatt), vor allem auch durch chinesische Hersteller.
- Im wichtigen Markt Spanien wurde die Solarsubventionen aus Angst vor den massiven Kosten quasi abgeschafft.
- Der technische Fortschritt macht die Produktion von leistungsfähigeren Solarzellen bzw. Solarmodulen bei geringeren Kosten möglich.
- Die Massenproduktion in Großfabriken senkt die Herstellungskosten für Solarzellen und Module.
- Aufgrund neuer Siliziumfabriken fallen die Beschaffungspreise für den benötigten Rohstoff Silizium, der für die Herstellung von kristallinen Solarzellen benötigt wird.
Hausbesitzer könnten also in eine rosige und gleichzeitig grüne Zukunft blicken. Denn da die Preise für Solaranlagen stärker fallen als die Einspeisevergütung sinkt, ist die Rendite bei Investitionen in eine Solaranlage, laut einem Branchenkenner, so hoch wie lange nicht mehr. Und auch um die Hersteller muss sich laut Anne Kreutzmann vom unabhängigen Branchenblatt “Photon” niemand sorgen: Denn selbst nach dem bisherigen Preisverfall sollen die Preise für Solarzellen immer noch deutlich über den Produktionskosten liegen.
Sollte der Preis für Solarstrom dann in absehbarer Zukunft auf 21 Cent pro Kilowattstunde fallen, würde er das gleiche kosten, was konventionell erzeugter Strom heute im Durchschnitt kostet. Selbst hartgesottene Solargegner (meist aufgrund der Kosten für die Suventionen) müssten sich dann fragen, wozu man noch in neue Kohle- oder Atomkraftwerke investieren sollte, wenn Solarstrom genauso günstig ist - und zusätzlich emmissionsfrei und umweltfreundlich!
Quelle: Öko-Boom - Billig-Solarzellen revolutionieren Strombranche