Veröffentlicht am 14. September 2009,
Kategorie(n): Sonstiges
Das beide Kanzlerkandidaten beim TV-Duell im Fernsehen nicht gerade mit Leidenschaft und Visionen von einer besseren Zukunft geglänzt haben, hat jeder Zuschauer spätestens nach der Halbzeit mitbekommen. Beide haben vor allem ihre “gute” Arbeit in der Vergangenheit gelobt und über die großen Probleme “Afghanistan”, “Mindestlöhne”, “Finanzkrise” und “Wirtschaftskrise” gesprochen. Völlig vergessen wurde hingegen das Thema “Bildung”, das eigentlich zu den höchsten Prioritäten unseres zukünftigen Staatsoberhaupts zählen sollte. Was ebenfalls leider unerwähnt blieb, ist die Tatsache, dass in Deutschland (und weltweit) das Wirtschaftswachstum vor allem auch vom Ressourcen- und Energieverbrauch abgekoppelt werden muss. Schließlich lässt sich die Klima- und Energiekrise durch Wachstum nicht bewältigen sondern im Zweifel sogar noch verschlimmern. Hier sollte man ebenfalls - wie bei der Finanzkrise - aus der Vergangenheiit gelernt haben und in Zukunft nachhaltiger wirtschaften.
Nach dem Fernseh-Duell lässt zumindest die Aussage von Kanzlerin Angela Merkel im Hinblick auf den Atomausstieg nicht auf allzuviel Einsicht hoffen. Sie hat zwar erkannt, dass die Atomenergie langfristig nicht zukunftsfähig ist und nur als Brückentechnologie anzusehen ist, allerdings sieht sie eine Verlängerung als “vertretbar” an. Das Ganze mit den Argumenten, dass Atomstrom in Deutschland preisgünstig, sicher und gut für die Versorgungssicherheit sei. Dabei wird natürlich verschwiegen, dass der Atomstrom die am höchsten subventionierte Energiequelle ist. Seit 1960 haben die wechselnden Bundesregierungen Unsummen in die Weiterentwicklung der Atomkraftwerke gesteckt, was eigentlich Aufgabe der Stromkonzerne gewesen wäre. Außerdem trägt die Bundesregierung - und damit am Ende der Steuerzahler - die Kosten für die Stilllegung von Atomkraftwerken (z. B. Greifswald 5 Mrd. €, Versuchsreaktor Karlsruhe 1 Mrd. €, “Entsorgung” der Uranabbauflächen in Sachsen und Thüringen 10 Mrd. € usw.)*.
Aus diesen Gründen darf nicht weiter am Betrieb von Atomkraftwerken festgehalten, von denen nur die Betreiber profitieren, während das Risiko von Mensch und Umwelt getragen wird. Am Atomausstieg muss festghalten werden und stattdessen konsequent in Erneuerbare Energien investiert werden. Hier besteht für Deutschland nicht nur die Chance auf sauberen Strom und mehr Unabhängigkeit gegenüber ausländischen Lieferanten sondern auch die Chance zu den technologischen Führern in diesem Bereich zu gehören. Und diese technologische Führerschaft dürfte eine große Anzahl sicherer Arbeitsplätze mit sich bringen.
* Wirtschaftswoche / Bund Naturschutz in Bayern e.V.