Veröffentlicht am 9. Januar 2010,
Kategorie(n): Solarenergie
Hätte jemand vor 100 Jahren erzählt, dass der Mensch in Zukunft in Flugzeugen rund um den Globus reisen und sogar zum Mond fliegen wird, hätte man denjenigen sicherlich als Spinner oder bestenfalls Träumer abgetan. Der Traum vom Fliegen war damals eine Utopie, eine Wunschvorstellung, die vielleicht denkbar, wahrscheinlich auch wünschenswert aber einfach nicht realisierbar war. Rückblickend ist die wichtigste Bedeutung dieses Satzes das Wort “war”, denn im Laufe der Menschheitsgeschichte hat sich so manche - erst unvortsellbare - Idee wenige Jahre oder Jahrzehnte später realisieren lassen. Frank Lessing vom “Deutschen Solarverein e.V.” könnte mit dem von ihm vorgestellten Konzept der “Sonnenbahn”, einer Solar-Überdachung unserer Autobahnen und Fernstraßen, solch ein Visionär sein, der seiner Zeit bereits voraus ist. Oder auch nich.
Solar-Überdachung für deutsche Autobahnen, Bundes- und Fernstraßen
Seine Idee ist es, einen großen Teil der 12.500 Kilometer Autobahnen und 42.000 km Bundes- und Fernstraßen in Deutschland zu überdachen. Allerdings nicht dazu, die Autos vor dem Regen zu schützen, sondern um die Überdachung mit Solarmodulen auszusatten und somit eine gigantische Photovoltaikanlage zu konstruieren. Als gesamte, theoretische Netto-Nutzfläche würden die Autobahnen, Bundes- und Fernstraßen zusammen mit weiteren 100.000 km baumfreier Landstraßen rund 1.900 km² Fläche für Solarmodule ergeben. Nach Abzügen von 50% aus Gründen wie Stadtumfeld, Tunnel, Verschattungen, Überbrückungen, zu naher Baumbestand, Hochhäuser, Schilder, Hochspannungsmasten, etc. würde die geeignete “Restfläche” immer noch ca. 950 km² betragen und wäre damit größer als die Hauptstadt Berlin.
18 Milliarden Euro pro Jahr für eine Leistung wie die von 20 Atomkraftwerken
Im Rahmen eines vorgestellten “20-Jahres-Sonnenbahn-Plan”, schlägt Lessing eine durchschnittliche, jährlich anzustrebende Bauleistung von 60 km² vor, was nach seiner Rechnung einer Leistung von 6,0 Gigawatt-Peak bei heutigen Photovoltaik-Modulen oder 3,6 Gigawatt-Peak bei deutlich günstigerer HELIATEK Solar-Folie entspricht. Die Investitionskosten würden laut seinem Konzept bei rund 18 Milliarden Euro pro Jahr liegen, wenn von einer Überdachung mit Modulen ausgegangen wird. Da man außerdem von einer gleichbleibenden technischen Weiterentwicklung des Wirkungsgrads der Solarmodule ausgehen kann, könnte die riesige Solaranlage im Endausbauzustand auch gut das Doppelte leisten.
Die Solar-Überdachung würde aber nicht nur sehr viel kosten, sie könnte auch sehr viel leisten: Nach Berechnungen könnte sie beim Bau mit Modulen die Leistung von rund 20 Atomkraftwerken ersetzen und pro Jahr rund 76.000.000.000 kWh sauberen Strom erzeugen. Damit könnten 15 Millionen Vierpersonenhaushalte versorgt werden.
Sonnenbahn statt Desertec für 400 Milliarden Euro?
Die meisten Menschen dürften sich bei dem Betrag von 20 Milliarden Euro Investitionskosten pro Jahr erschrecken. Schließlich ist das eine Summe, die sich die meisten kaum vorstellen können. Im Rahmen der Planung großer (Energie)Konzerne ist es aber gar nicht so viel, wie das geplante Projekt Desertec mit einem Volumen von 400 Milliarden Euro zeigt. Mit dieser Summe wollen Konzerne rund um den weltgrößten Rückversicherer Münchener Rück Solarkraftwerke in der Wüste von Afrika errichten um damit Strom für Europa zu erzeugen. Eine Abhängigkeit gegenüber anderen Ländern, teils sogar politisch instabilen Staaten, würde sich mit der Solar-Überdachung unserer Autobahnen zumindest nicht ergeben.
Günstiger Atomstrom ist ein Irrglaube
Der günstige Preis ist fast immer das Hauptargument von Befürwortern der Atomenergie, allerdings entpuppt sich dieses Argument bei genauerem Hinsehen als falsch. Die Atomindustrie erhält seit Jahrzehnten Subventionen und Privilegien wie kein anderer Industriezweig “So würden beispielsweise Betrieb und Stilllegung kerntechnischer Forschungsanlagen in Karlsruhe etwa vier Milliarden Euro kosten. Geld, das überwiegend der Staat bezahlt. Auch für die größte Investitionsruine der Atomwirtschaft, den sogenannten Schnellen Brüters in Kalkar, kam der Bund auf. 2,177 Milliarden Euro kostete das Projekt den Steuerzahler. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung gab der Bund insgesamt mehr als 40 Milliarden Euro für die Förderung der Atomenergie aus.” (castor.de) Neben den gewaltigen Demontagekosten eines Kernkraftwerks bleibt außerdem das ungelöste Problem der Lagerung von stark und schwach radioaktivem Müll aller Strahlungsklassen, die z. T. mehr als 250.000 Jahre aktiv sein werden sowie dem Restrisiko einer Katastrophe wie Tschernobyl.
Ob die Idee der Sonnenbahn von Frank Lessing allerdings in naher oder ferner Zukunft willige Investoren findet, bleibt abzuwarten. Es zeigt aber, dass es Ideen und Visionen von einer Gesellschaft gibt, deren Wohlstand auf Erneuerbaren Energien statt auf dem Verbrennen fossiler Energieträger basiert.
Weitere Informationen sind unter www.deutscher-solarverein.de zu finden.