Veröffentlicht am 5. Februar 2010,
Kategorie(n): Allgemein
Die hohe Bevölkerungskonzentration in den Megastädten bzw. den Metropolregionen unserer Erde hat bisher überall zu einer ganzen Reihe von Problemen geführt: Elendsviertel ohne oder mit schlechter Infrastruktur, die Bebauung aller Freiflächen und ein Verkehrschaos, das stetig vor dem vollständigen Kollaps zu stehen scheint sind nur einige der negativen Folgen. Diese bringen unweigerlich auch dramatische Umweltprobleme mit sich und das Leben in Strassenschluchten ohne Rückzugsorte und Grünflächen, dafür aber mit einer von Abgasen geschwängerten Luft schlägt sich auch auf das Befinden und die Gesundheit der Bewohner nieder. Der Ballungsraum rund um Südkoreas Hauptstadt Seoul gehört zu den dichtbevökertsten der Welt und die Begriffe “Lebensqualität”, “Entspannung” oder “Umweltschutz” haben beim bisherigen Wachstum kaum eine Rolle gespielt. Für die mehr als 22 Millionen Menschen der Region planen Bürgermeister Oh Se Hoon und sein Berater Kim Ki Ho aber nun den Radikalumbau zur ersten grünen Megacity der Welt.

Foto: Cheonggyecheon in Seoul / von stari4ek
Bürgermeister Oh war vor seiner Zeit als Stadtoberhaupt ein renommierter Ökoanwalt und Mitglied der größten Umweltinitiative Seouls. Er wechselte nur die Seiten, nicht aber seine Überzeugung. Sein Berater Kim Ki Ho ist Professor für Stadt- und Raumplanung an der Universität Seoul und international gefragter Experte in diesem Bereich. Architektur und Stadtentwicklung studierte er übrigens im beschaulichen deutschen Aachen.
Um Seoul wieder lebenswert zu machen, soll vor allem der Verkehr eingedämmt werden, denn in neuangelegten Parks, Fußgängerboulevards und verkehrsberuhigte Zonen sollen die Bewohner den Spaß am zu Fuß gehen (wieder)entdecken. Außerdem sollen auch die Radwege ausgebaut werden um so im Gesamtkonzept die Stadt wieder zu einem “harmonischen Raum” für Arbeit, Menschen und Natur zu machen. Erste Weichen in diese Richtung stellte schon der vorherige Bürgermeister Lee, der das öffentliche Verkehrssystem umstellte, indem er Express-Routen für Busse organisierte und eigens für sie staufreie Fahrspuren schuf. Auch das Flüsschen Cheonggyecheon im Zentrum, das in den 60er Jahren für eine mehrspurige Strasse zubetoniert wurde, ließ er 2005 wieder ausgraben und neu beleben. Heute ist es ein Paradies für Fahrradfahrer und Jogger oder Menschen auf der Suche nach Erholung.
Lebensqualität und Umweltfreundlichkeit könnten in Zukunft also vielleicht das Markenzeichen von Seoul werden. Die Unterstützung der meisten Bewohner hat er und auch wirtschaftlich soll es sich lohnen, denn Oh ist sich sicher, dass “nur eine Stadt, in der man gern leben möchte, ist auch eine Stadt, in der man gern investieren möchte”.
Der komplette zweiteilige Artikel “Radikalumbau eines Molochs Grün, grüner, Seoul” vom 5. Februar 2010 mit Fotoserie ist unter auf Spiegel Online zu finden.
Foto: Cheonggyecheon in Seoul / Aufgenommen von stari4ek und veröffentlicht unter der Creative Commons Lizenz (Namensnennung, Keine kommerzielle Nutzung, Keine Bearbeitung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert))