Auch wenn sich Berichte zur globalen Erwärmung und dem Klimawandel sich alltäglich in den Medien wiederfinden und das Thema zur UN-Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 Zeitungen wie TV und Internet sogar dominiert hat, ist die dramatische Veränderung für viele Menschen doch immer noch ein sehr abstraktes Phänomen. Irgendwie scheint sich das Wetter zu verändern. Wird es wärmer, kälter oder einfach nur extremer? Sind die Menschen daran schuld oder zumindest mitschuld? Ist es denn nicht vielleicht sogar besser wenn es wärmer wird? Und ist eine globale Erwärmung um zwei, drei oder vier Grad denn wirklich so schlimm?
Diese oder ähnliche Fragen stellen sich vielleicht viele Menschen und auch die, die dem Klimawandel eher kritisch gegenüberstehen, haben wahrscheinlich keine konkrete Vorstellung davon, was eine unkontrollierte Erwärmung der Erde für katastrophale Folgen haben könnte. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Mitteleuropa und damit auch Deutschland von den direkten Folgen des Klimawandels weit weniger betroffen sein wird als andere Regionen wie Afrika oder Südostasien. Um den möglichen Auswirkungen ein Gesicht zu geben und die Menschen damit zu sensibilisieren, wurde die Initiative 100PLACES.COM von der Gruppe Co+Life ins Leben gerufen. 100 besonders gefährdete Orte auf unserem Planeten werden auf der Webseite mit interaktivem Inhalt vorgestellt und mit Partnern auf der ganzen Welt in Büchern, Filmspots und Open-Air-Ausstellungen verbreitet. In Deutschland über den faszinierenden Bildband “100 einzigartige Orte, die schon bald verschwinden könnten”, der seit dem 1. März 2010 vom Knesebeck Verlag herausgegeben wird.
Eines der bekanntesten Ofer des Klimawandels sind die traumhaft schönen Inseln der Malediven, die von einem steigenden Meeresspiegel, Sturmfluten und Tsunamis bedroht werden. Ende letzten Jahres machte der Inselstaat besonders dadurch auf sich aufmerksam, da der neue Präsident der Malediven bereits eine Umsiedelung der gesamten Bevölkerung der Malediven für die Zukunft plant. Allerdings sind es nicht nur ferne Inselparadiese, die von steigenden Temperaturen in ihrer jetzigen Existenz bedroht sind, sondern auch einzigartige Orte wie Venedig, Bangkok, New York, Rotterdam oder das Skigebiet Kitzbühel. Der mit dem Nobelpreis ausgezeichnete IPCC Report (Intergovernmental Panel on Climate Change) hat diese Tatsache in erschreckender Weise dokumentiert.
Auf Basis dieser Studie wurde eine Auswahl von 100 der schönsten Orte auf der ganzen Welt zusammengestellt und in dem Bildband “100 einzigartige Orte, die schon bald verschwinden könnten” vorgestellt. Die beeindruckenden Fotos der besten Fotografen von Getty Image werden begleitet von Texten, die die Geschichte der Plätze und ihre besondere Problematik schildern. Die Bilder vom Amazonas-Regenwald über den Kilimandscharo in Tansania bis zur Masai Mara in Kenia und dem Wattenmeer in Dänemark können keinen Betrachter kalt lassen. Und die Zeit für ein erfolgreiches Handeln gegen den Klimawandel schwindet. Denn die Bedrohung liegt nicht in einer fernen Zukunft, sondern könnte schon in den nächsten Jahren stattfinden.
Für alle, deren Interesse geweckt wurde ist hier eine Auswahl der Orte, die in dem Bildband zu finden sind. Begonnen wird mit den Nebelwäldern auf Kauai, der viertgrößten Hawaii-Insel, in denen die schönen und farbenprächtigen Kleidervögel leben. Nach Abholzung durch den Menschen, die Einführung nicht heimischer Arten wie Schweine oder Ziegen, bedroht nun auch die Erderwärmung diese Tiere. Denn mit den steigenden Temperaturen können sich Moskitos auch in diese Höhen verbreiten und die Population der äußerst anfälligen Kleidervögel bedrohen.

Foto: Ira Block / Getty Images (vom Knesenbeck Verlag zur Verfügung gestellt)
Afrika wird voraussichtlich der Kontinent sein, den der Klimawandel am stärksten treffen wird. Dies liegt nicht nur daran, dass dort besonders wenig Geld für die Anpassung an die veränderten Bedingungen zur Verfügung steht, sondern auch deshalb, da viele Gebiete ohnehin schon mit sehr wenig Wasser auskommen müssen. Eines der am schlimmsten betroffenen Gebiete ist der Naukluft-Naionalpark in Namibia: Schätzungen gehen davon aus, dass ein Anstieg der Temperatur von 2,1 Grad Celsius zwischen 41 bis 51 Prozent der Flora und Tierwelt von Namibia auslöschen würde. Auch die Nomadenstämme, die seit Jahrhunderten durch die Wüste ziehen wären in ihrer Existenz bedroht.

Foto: Michael Poliza / Getty Images (vom Knesenbeck Verlag zur Verfügung gestellt)
Der Klimawandel gefährdet aber nicht nur Völker in der Wüste in Afrika sondern z.B. auch die Bajau, Seenomaden, deren Lebensraum die Sulu-Sulawesi-See ist. Während Überfischung die Bestände bereits drastisch reduziert hat und die Vergiftung des Meeres die Korallenriffe - Lebensräume von Fischen und anderen Meerestieren - bereits stark in Mitleidenschaft gezogen hat, bedroht auch die globale Erwärmung ihre Existenz. Denn die höheren Temperaturen führen zu einer Versauerung des Wassers, dass dann die Schalen der Korallen angreift.

Foto: Jürgen Freund / Getty Images (vom Knesenbeck Verlag zur Verfügung gestellt)
Auch extrem kalte Gebiete wie die Halbinsel Jamal im äußersten Norden Sibiriens gehören zu den aufgeführten Orten. Nicht nur, dass das Auftauen des Permafrostbodens eine Kettenreaktion bei der Erderwärmung auslösen könnte, würde der aufgeweichte Boden auch die traditionelle Rentierzucht unmöglich machen. Denn auf dem aufgeweichten Boden könnten sich die Herden nicht mehr bewegen, was die tausend Jahre alte Nomadenkultur der Nenzen auslöschen könnte.

Foto: Maria Stenzel / Getty Images (vom Knesenbeck Verlag zur Verfügung gestellt)
Das Wattenmeer von Dänemark ist sowohl bei einheimischen Urlaubern wie auch bei Touristen aus anderen Ländern sehr beliebt. Würde der Meeresspiegel aufgrund der Erderwärmung stärker als erwartet steigen, wie manche Wissenschaftler glauben, würde das Watt bei Niedrigwasser nicht mehr im Trocken liegen sondern stetig unter Wasser liegen. Damit wäre eines der wichtigsten Vogelschutzgebiete sowie eine einzigartige Landschaft vernichtet.

Foto: Jochem D. Wijnands / Getty Images (vom Knesenbeck Verlag zur Verfügung gestellt)
Der Jangtse, der aus der tibetischen Hochebene durch zahlreiche Provinzen Chinas fließt ist nach dem Nil und dem Amazonas der drittlängste Fluß der Welt. Nehmen die tibetischen Gletscher mit der globalen Erwärmung ab, wird der Jangtse in Zukunft in trockenen Jahreszeiten deutlich schwächer. Dies würde sowohl erhebliche ökologische, menschliche und wirtschaftliche Folgen für die Volksrepublik China mit sich bringen und wahrscheinlich sogar Auswirkungen auf die globale Nahrungsmittelversorgung haben. Denn in angrenzenden Gebieten würde die Reisernte wohl deutlich geringer ausfallen.

Foto: Yann Layma / Getty Images (vom Knesenbeck Verlag zur Verfügung gestellt)
Wen selbst die Geschichten und Prognosen zur Entwicklung dieser 100 einigartigen Orte kalt lassen, weil er vielleicht einfach nicht verreist oder sich nicht für fremde Orte interessiert, der sei darauf hingewiesen, dass der Wassermangel und die wahrscheinlichen Ernteausfälle zu einer verstärkten Völkerwanderung und Migration in reiche Industriestaaten führen wird. Darüber hinaus werden die Kosten für Entwicklungshilfe und Unterstützung für wohlhabende Länder wie Deutschland, Österreich oder die Schweiz deutlich ansteigen. Zusammen mit steigenden Preisen für Rohstoffe wird sich der Klimawandel so zumindest auch wirtschaftlich auf uns auswirken.
100 einzigartige Orte, die schon bald verschwinden könnten
29,5 x 29,0 cm, Gebunden mit SU, mit 150 farbigen Abbildungen
Erschienen im Knesebeck Verlag
ISBN 978-3-86873-223-8
Preis: 39,95 € (D), 65,00 sFr (CH), 41,10 € (A)
Erhältlich beim Knesebeck Verlag oder im Buchhandel. Außerdem kann man sich auf 100Places.com über diese 100 bedrohten Orte unserer Welt informieren.