Ein aktuelles Interview, das der Bundespräsident Horst Köhler dem Nachrichtenmagazin Focus gegeben hat, erhitzt derzeit die Gemüter vieler Politiker und Bürger in Deutschland. In besagtem Interview hat Köhler dazu angeregt darüber nachzudenken, ob die Benzinpreise nicht höher sein sollten um das Verhalten der Menschen zu beeinflussen. Denn noch höhere Benzinpreise würden nicht nur zwangsläufig zu weniger Fahrten und CO2-Emissionen sondern vor allem auch zu Druck auf die deutsche Automobilindustrie führen. Wer das Interview ganz gelesen hat und sich nicht nur auf populistisch verwendete Ausschnitte konzentriert, der stellt fest, dass der Bürger keineswegs mit höheren Kosten belastet werden soll. Im Gegenzug zur Erhöhung der Benzinpreise schlägt er einen sozialen Ausgleich mit staatlichen Mitteln vor. Schließlich geht es nicht um die Generierung neuer Staatseinnahmen sondern um das Lenken des Verhaltens mittels Preisen. Die Mehrkosten für die notwendige Fahrt zur Arbeit mit einem sparsamen Fahrzeug sollte daher ausgeglichen werden, die Fahrt mit dem Geländewagen zum Bäcker natürlich nicht.
Auch die Automobilwirtschaft in Deutschland soll damit nicht geschädigt werden. Es geht vielmehr darum, dass nicht kurzfristiges Denken und kurzfristig gesteckte Ziele des Managements und der Politik den langfristig wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands verhindern. Denn immer noch setzt die deutsche Autoindustrie stark auf Premium-Autos, die deutlich zuviel Ressourcen verbrauchen. Sollte sich der weltweit gesellschaftliche Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit verstärken, könnten Hersteller großer und PS-starker Spritschlucker langfristig schwere Probleme bekommen. Es geht dementsprechend auch darum zu verhindern, dass keine falschen Strukturen zementiert werden sondern vor allem in umweltfreundliche Zukunftstechnologien investiert wird.
Während viele Zeitungen, Magazine und Politiker dem Bundespräsidenten sofort eine weitere Ausbeutung der Menschen oder das Gefhrden des wirtschaftlichen Aufschwungs unterstellten, geht es eigentlich um genau das Gegenteil: “Denn auch die Menschen, denen es materiell nicht so gut geht, werden langfristig nicht besser dastehen, wenn wir das Umsteuern auf neue, umweltfreundliche Produkte, auf ein ökologisches Wachstum verschlafen. Gerade sie sind doch darauf angewiesen, dass für sie Arbeitsplätze entstehen.” so Köhler im Interview. Der Unterschied liegt einzig in der Zeitspanne, für die geplant wird. Schaut man nur auf die nähere Zukunft ist die Kritik vielleicht berechtigt, mit der oft geforderten Weitsicht lässt sich an seinem Vorschlag aber nichts kritisieren. Vorausgesetzt natürlich, dass der soziale Ausgleich auch wirklich stattfinden würde.
Das ganze Interview ist auf der offiziellen Seite des Bundespräsidenten unter “Bundespräsident Horst Köhler hat dem Nachrichtenmagazin Focus ein Interview gegeben. Die Fragen stellten Rainer Pörtner und Frank Thewes” zu finden.