Veröffentlicht am 3. Mai 2010,
Kategorie(n): Allgemein
Professor Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, und Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender der unabhängigen Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch, haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben: Beide sind sich sicher, dass das Zwei-Grad-Ziel - also das maximale Ansteigen der durchschnittlichen Temperatur auf der Erde um zwei Grad Celsius - trotz des Scheiterns des Klimagipfels von Kopenhagen noch erreicht werden kann. Länder wie Deutschland, die als Vorreiter beim Klimaschutz gelten, müssten dazu zeigen, dass der Kampf gegen die Erderwärmung globalwirtschaftlich profitabel sei.

Foto: Klima-Wandel.com
Für die beiden rennomierten Klimaexperten steht fest, dass die ambitionierten, selbstgesteckten Klimaziele von Deutschland und die damit einhergehenden, vergleichsweise hohen Investitionen in erneuerbare Energien und Umwelttechnologien neue Wachstumsmärkte erschließen werden. “Deutschland wird von dieser Politik profitieren”, sagt Schellnhuber. Dies könne weitere Länder zum Nachziehen und zu höheren nationalen CO2-Minderungszielen animieren, wodurch ein internationales Klimaschutzabkommen wieder wahrscheinlicher werde. “Die Klimaverhandlungen unter dem Dach der Vereinten Nationen”, sagt das langjährige Mitglied des Weltklimarats IPCC, “bleiben dennoch wichtig”. Eine Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf zwei Grad Celsius gilt als kritische Grenze für die Vermeidung von Folgen der Erderwärmung und des Klimawandels, die kaum noch Kontrolle zu halten wären.
Milke ergänzt, dass die großen CO2-Verursacher, vor allem die reichen Industrieländer, den Beweis antreten müssten, dass Klimaschutz sich auch wirtschaftlich auszahle – und zwar nicht nur für sie selbst. “Sie müssen Entwicklungs- und Schwellenländern zeigen, dass auch diese von einer ‘grüneren’ Wirtschaft profitieren können”. Wenn dies gelinge, sei das Zwei-Grad-Ziel noch zu erreichen. Hoffnung macht ihm, dass die Chancen eines grundlegenden Umsteuerns mittlerweile von vielen Regierungen klarer gesehen würden. Damit zusammenhängende Vorteile, sagt er, seien zuletzt “gegenüber den Kosten stärker in den Vordergrund gerückt”.
Die Entscheidungsträger müssten sich schnellstmöglich von dem Prinzip verabschieden, dass jeder nur so wenig zahlt wie möglich, denn die Voraussetzungen, um das Zwei-Grad-Ziel zu vertretbaren Kosten zu erreichen, müssten in den kommenden zehn Jahren geschaffen werden. Hinzu kommt: “Je später die Staatengemeinschaft sich aber ambitionierte Klimaschutzziele setzt, desto höher müssen die CO2-Reduzierungen ausfallen”, sagt Schellnhuber. Und desto teurer werde der Klimaschutz.
Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung