Veröffentlicht am 17. Juni 2010,
Kategorie(n): Sonstiges
Wenn das Thema “Klimawandel” in der Öffentlichkeit diskutiert wird, dann geht es meist um die Frage, wie die klimaschädlichen Emissionen verringert werden können um den durchschnittlichen Temperaturanstieg im Rahmen - genauer gesagt unter 2 Grad - zu halten. Neben der Steigerung der Energieeffizienz sollen dazu vor allem die erneuerbaren Energien wie Windkraft und Solarenergie und auch ein weniger konsumorientierter Lebensstil der Industrienationen beitragen. Die Schwellenländer werden gleichzeitig ermahnt, die Fehler des Westens gar nicht erst zu wiederholen. Völlig offen bleibt bei diesem Konzept aber, ob genügend Menschen zu einer Verhaltensänderung zu bewegen sind und ob Politik und Industrie weltweit auf ein nachhaltigeres und langfristig orientierten Handeln umschwenken. Zudem ist auch noch nicht 100%ig klar, ob die derzeit diskutierten Reduktionsziele überhaupt ausreichend sind, um den heute bereits messbaren Klimawandel aufzuhalten.

Foto: Lilypad, a floating ecopolis for climate refugees, 2008 / © Vincent Callebaut Architectures
In diesem “Worst Case” geht es gar nicht mehr darum, den Klimawandel aufzuhalten, sondern sich z.B. mit neuen Getreidesorten für besonders trockene und heisse Gebiete anzupassen. Auch Schutzmaßnahmen gegen Überschwemmung und Überhitzung zählen ebenso dazu wie die als Geo-Engineering bezeichneten großmaßstäblichen Eingriffe in den Klimakreislauf. Auch diese Szenarien werden diskutiert, allerdings meist weniger in der Öffentlichkeit. Dabei ist die negative Einschätzung, dass der Wandel unabwendbar scheint, alles andere als unwahrscheinlich. Da die Politik nicht dazu bereit ist, verbindliche Maßnahmen für den Klimaschutz zu ergreifen und die Bürger nur schwer zur Änderung ihres Verhaltens zu bewegen sind, greift die Ausstellung “Klimakapseln” im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg diese Einschätzung auf.

Foto: Haus-Rucker-Co, Oase Nr. 7, Außenansicht / Foto von Dennis Conrad
Die Ausstellung “Klimakapseln. Überlebensbedingungen in der Katastrophe” beschäftigt sich mit der Frage, wie wir in der Zukunft leben wollen und fasst erstmals historische und aktuelle klimabezogene Modelle, Konzepte, Strategien, Experimente und Utopien aus Design, Kunst, Architektur und Städtebau zusammen, die nicht das Ziel verfolgen, den Klimawandel aufzuhalten, sondern Visionen für ein Überleben in der Katastrophe entwerfen. Für ein Leben unabhängig von den klimatischen Außenbedingungen kommt nur die räumliche, soziale und politische Abkapselung in Frage. Gezeigt werden 30 mobile, temporäre und urbane Kapseln, mit denen menschliches Leben unabhängig von den klimatischen Bedingungen möglich werden soll – angefangen von Körperkapseln über Wohnkapseln und Urbane Kapseln bis zu Naturkapseln und Atmosphärischen Kapseln.
Die Eröffnung der Ausstellung “Klimakapseln. Überlebensbedingungen in der Katastrophe” fand am 28. Mai diesen Jahres statt und sie läuft noch bis zum 12. September 2010 im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Die Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Sonntag 11:00 - 18 Uhr und am Mittwoch und Donnerstag von 11:00 – 21:00 Uhr. Die Eintrittspreise liegen bei 8 Euro (Mittwoch und Donnerstag ab 17:00 Uhr immer 5 Euro), für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist der Eintritt frei. Weitere Informationen auf www.klimakapseln.de