Veröffentlicht am 29. Juni 2010,
Kategorie(n): Sonstiges
Einer der großen Privatsender erklärte den 24. März zum “GreenSeven”-Day und widmete ihn Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Klimaschutz und Energiesparen. Zudem wurde an diesem Tag die beeindruckende Dokumentation “Unsere Erde” erstmals im Free-TV gezeigt. Damit hat sich das Angebot an Sendungen zu Umwelt- und Klimaschutz im deutschen Fernsehen für das Massenpublikum aber auch schon erschöpft. Es gibt zwar Sendungen wie “ZDF Umwelt”, diese erreichen aber nicht allzuviele Zuschauer. Die Privatsender konzentrieren sich stattdessen ohnehin lieber auf Talkshows, Casting-Shows, Stars und Sternchen Magazine, etc. von zumeist mehr als fraglichem Niveau.
Nun könnte man vermuten, dass das Interesse einfach nicht vorhanden ist oder es schlicht nicht möglich ist, Nachhaltigkeitsthemen wie das Artensterben oder den Klimawandel publikumstauglich zu machen. Erfolgreiche Nachhaltigkeits-Formate in anderen Ländern zeigen aber, dass hier nicht das Problem liegen kann, weshalb nun eine Forschungsgruppe unter Leitung des UNEP/Wuppertal Institute Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP) dieser Frage im Rahmen einer länderübergreifenden Studie nachgegangen ist und kam zu dem Ergebnis kam, dass Deutschland bei publikumstauglichen TV-Angeboten mit Nachhaltigkeitsinhalten hinterher hinkt.
Wie man grünes Wissen in einer Unterhaltungssendung verpacken kann, beweist laut der Kommunikationswissenschaftlerin Sarah Lubjuhn von der Universität Duisburg-Essen, einer der Autorinnen der CSCP-Studie, die Reality-Show “Echt Elly” aus den Niederlanden. In der 13-teiligen Serie wurde vor zwei Jahren im niederländischen Regionalfernsehen die Entertainerin Elly Lockhorst bei dem Versuch begleitet ihren Lebensstil nachhaltiger zu gestalten. Das TV begleitete sie dabei beim Einkauf oder im Haushalt und die Serie erreichte nicht nur ein breites Publikum sondern sie bewegte laut einer Umfrage unter den Zuschauern tatsächlich fast die Hälfte zu mehr nachhaltigem Handeln im eigenen Leben.
Nach Ansicht von Lubjuhn ist die Serie ein perfektes Beispiel: “Es gab eine prominente Identifikationsfigur, eine lebensnahe, unterhaltsame Geschichte, und es gab Anknüpfungspunkte für den eigenen Alltag”. Sachlich fundiert war die Serie laut Lubjuhn unter anderem deshalb, weil sich die Produzenten vorab Rat bei Nachhaltigkeitsexperten der Regierung holten und sie in die Produktion einbanden. Vor allem aber auch das Konzept der weiterführenden Informationen und interaktiven Diskussionsmöglichkeiten im Internet machten “Echt Elly” so erfolgreich. Hier konnten Interessierte sich austauschen und näher informieren. Diese Verknüpfung von TV und Internet fehlt bei angeboten in Deutschland fast komplett. Laut Studie ist er jedoch ein entscheidendes Erfolgskriterium.
Laut Friedrich Hagedorn, Referatsleiter für Medienbildung bei dem auf Medienforschung spezialisierten Adolf-Grimme-Institut in Marl, werden Nachhaltigkeitsthemen wie etwa der Klimawandel inzwischen stärker in Wissensformaten aufgegriffen, sind aber immer noch so gut wie gar nicht im Unterhaltungs-TV zu finden. Als Ursache hierfür sieht er das fehlen von “guten Autoren” in Deutschland, die eine gute Nachhaltigkeitsgeschichte für das Unterhaltungsfernsehen erzählen können. Dabei seien die Chancen offenbar gar nicht schlecht: Wer ein gutes Exposé für eine Sendung mit Nachhaltigkeitsbezug habe, der könne es auch bei einem Sender platzieren. Aber: “Die Idee muss Quote versprechen”, sagt Hagerdorn.
Das zunehmende Interesse der Menschen für einen bewussteren Umgang mit Mitmenschen, Tieren, Umwelt und Rohstoffen wird ebenfalls durch das stetig wachsende Angebot zu diesen themen im Internet belegt. Auch Webseiten wie Klima-Wandel.com, das Grüne Autos Magazin, Klimaspot News oder Grüne Mode erfreuen sich stetig wachsender Besucherzahlen.
Weitere Informationen im Beitrag “Medienforscher: Deutsches TV hinkt bei Nachhaltigkeitsthemen hinterher” vom 23. Juni 2010 auf der Homepage des Rats für Nachhaltige Entwicklung.