Veröffentlicht am 16. Juli 2010,
Kategorie(n): Allgemein
Viele Kritiker einer nachhaltigeren und umweltfreundlicheren Gesellschaft haben vor allem Angst, dass sie ihren “Status Quo” nicht halten können, dabei sind es oft nur kleine Verhaltensänderungen, die in der Masse oft großes bewirken können. So belegt auch eine neue Studie zu ökologischen und ökonomischen Wirkungen eines nachhaltigeren Konsums in Deutschland, dass die Bürgerinnen und Bürger ohne größere Einbußen bei Mobilität und Wohnqualität ihre CO2-Emissionen im Alltag innerhalb der kommenden zehn Jahre um fast neun Prozent vermindern könnten. Voraussetzung dafür wäre, dass unter anderem 75 Prozent aller Haushalte ihre Raumtemperatur im Jahresdurchschnitt um lediglich zwei Grad senken würden und der Anteil des Car Sharing am Verkehrsaufkommen auf vier Prozent anwachsen würde. Außerdem müssten doppelt so viele Deutsche wie bisher auf das Fahrrad umsteigen.
Wie bereits vielen bekannt und im Rahmen der als “Umweltprämie” verkauften Abwrackprämie für Autos auch häufig kritisiert, liegt das größte CO2-Einsparungspotenzial auch laut dieser Studie in den Gebäuden: Eine Verdopplung der Zahl energieeffizient sanierter Häuser brächte eine CO2-Verminderung von fast 25 Prozent, schreiben die Autoren.
Im Rahmen der Studie versuchte eine Forschergruppe unter Leitung des Osnabrücker Professors für Volkswirtschaftslehre, Bernd Meyer, mithilfe einer Simulation, die möglichen Auswirkungen von stärker nachhaltigkeitsorientiertem Konsumverhalten in der Bevölkerung einzuschätzen. Die Analyse zeigt die ökologischen und ökonomischen Effekte, die von den Konsumenten durch eine nur geringe individuelle Veränderungen ihres Lebensstils erreicht werden könnte. Das Fazit: Auch ohne komplett auf Heizung, elektrische Energie und Auto zu verzichten, könnten kleine Verhaltensänderungen der gesamten Bevölkerung in den zentralen Bereichen Bauen und Wohnen sowie Verkehr entscheidende Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß haben. Die Werte wurden von den Wissenschaftlern mit denen aus einem “Weiter So”-Szenario mit unveränderten Ressourcennutzungs- und Konsummustern verglichen.
Die Bildungsinitiative Mut zur Nachhaltigkeit, hofft als Auftraggeber der Studie, mit diesen Erkenntnissen die politischen Entscheidungsträger davon zu überzeugen, was mit ausführlicher Information und Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger erreicht werden könnte. Anstatt vor radikalem Verzicht und militanten Klimaschützern zu warnen oder auf der anderen Seiten alle technischen Errungenschaften komplett zu verteufeln, sollte die Politik die Masse sanft in die richtige Richtung leiten. Denn wie die Wissenschaftlerin Lucia Reisch, Professorin für Konsumentenverhalten und Verbraucherpolitik an der Copenhagen Business School in Dänemark, bemerkt: “Ohne sanfte Anstöße von außen, die Konsumverhalten auch ganz ohne Einsicht ändern können, wird sich wenig tun.”
Weitere Informationen im Bericht “Konsum-Studie: kleine Verhaltensänderung, große Nachhaltigkeitswirkung” vom 28. Juni 2010 auf der Homepage des Rats für Nachhaltige Entwicklung sowie direkt in der Studie “Die ökologischen und ökonomischen Wirkungen eines nachhaltigeren Konsums in Deutschland” im Auftrag der Initiative “Mut zur Nachhaltigkeit”.