Veröffentlicht am 29. Juli 2010, Kategorie(n):Sonstiges
Während der BP-Konzern am Montag seine Halbjahreszahlen vorstellte, protestieren Greenpeace-Aktivisten vor der BP-Zentrale in Bochum sowie an rund 50 Londoner Tankstellen. Denn während der Konzern mit seinem Firmenslogan “bp - beyond petroleum” (jenseits des Öls) versuche, sich als ökologisch orientiertes Unternehmen zu verkaufen, sieht die bittere Wahrheit ganz anders aus. Die ökologische Bilanz des Ölkonzerns ist mehr als miserabel, denn von seinen mehr als 200 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr investiert BP nicht einmal 0,5 Prozent in umwelt- und klimafreundliche Energien. In den kommenden Jahren sollen lediglich eine Milliarde Dollar in Erneuerbare Energien investiert werden, in riskante Ölförderprojekte sollen trotz der gigantischen Umweltkatastrophe der Deepwater Horizon im Golf von Mexiko dagegen 19 Milliarden Dollar fließen. Dabei zeigt sich 101 Tage nach Beginn der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko überdeutlich, dass Ölbohrungen in der Tiefsee nicht beherrschbar sind und BP nichts aus dem Desaster gelernt hat.
In Bochum erinnerten ölverschmierten Greenpeace-Aktivisten mit einem Banner mit der Aufschrift “BP: Raus aus der Tiefsee” an die Katastrophe und aus einem rund vier Meter hohen Förderturm spritzte Öl-Imitat u.a. auf die Flaggen von Aral und BP. Letztere waren im Anschluss wie die ausgebeutete Umgebung der Fördertürme dreckig und ölverschmiert. Zeitgleich haben Greenpeace-Aktivisten in London alle rund 50 BP-Tankstellen geschlossen. Die Aktivisten betätigen die Notschalter der Tankstellen. Um das Wiedereröffnen der Tankstellen zu verhindern, entfernen die Aktivisten einen Teil des Schalters. Hierdurch wird das wieder Einschalten der Zapfsäulen verhindert. Closed. Moving beyond petroleum (Geschlossen. Wir gehen weg vom Öl) stand auf Bannern.
Dass es über kurz oder lang zu einer ähnlichen Umweltkatastrophe wie durch den Untergang der Deepwater Horizon kommen kann, lässt sich an den Zahlen erahnen: Weltweit leitet BP zurzeit 32 Ölförderprojekte in der Tiefsee, von denen allein bei 14 Projekten bereits Öl gefördert wird. Neun Tiefseeprojekte werden derzeit vorangetrieben, weitere neun Projekte in einer Tiefe von über 200 Metern sind in Planung. Aufgrund der sinkenden Ölreserven nehmen die Ölkonzerne in ihrer Gier in Kauf, in immer abgelegenere Gebiete vorzudringen, die häufig große Bedeutung für die Biodiversität, sowie lokale und globale Ökosysteme haben. Die bisherigen Notfallpläne sind, wie man gesehen hat, überhaupt nicht ausreichend und Ölkatastrophen werden somit billigend in Kauf genommen.
“BP muss seine Unternehmensstrategie umkrempeln und sich von der Tiefsee-Ölförderung verabschieden” sagt dazu Karsten Smid, Energieexperte bei Greenpeace. “Das ist die einzig logische Konsequenz aus der Ölkatastrophe.” Greenpeace fordert aus diesem Grund den Stopp von Ölbohrungen unterhalb einer Wassertiefe von 200 Metern, vor allem vor dem Hintergrund, da Taucher dort nur noch eingeschränkt arbeiten können.
Anfang August wird das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise eine dreimonatige Untersuchungstour in den Golf von Mexiko starten. Ziel der Reise ist es, Daten und Informationen über die Auswirkungen einer der größten Ölkatastrophen zu sammeln. Mit an Bord der Arctic Sunrise ist die deutsche Greenpeace-Aktivistin Regine Frerichs.