Veröffentlicht am 31. August 2010, Kategorie(n):Allgemein
Manch einer mag immer noch daran glauben, dass Erdöl dem Menschen in unerschöpflichen Mengen zur Verfügung steht und alle Warnungen und Kritiken am maßlosen Verbrauch durch die Gesellschaften der Industrieländer nur haltloses Geschwätz von “Öko-Spinnern” ist. Die meisten seriösen Experten sind sich aber sicher, dass das globale Ölfördermaximum (Peak-Oil) eher früher als später erreicht wird und angesichts der drohenden Versorgungsengpässe einer der wohl wichtigsten Ressourcen, schlagen jetzt auch die Wissenschaftler der Bundeswehr Alarm. Dabei sieht das Zentrum für Transformation der Bundeswehr nicht nur ein Problem darin, dass eine Armee ohne Öl nicht mehr Mobil und damit völlig überflüssig wäre, sondern die Studie warnt sogar vor einem Versagen der Märkte und einer Destabilisierung der gesellschaftlichen Ordnung.
In der Studie wird gleich zu Anfang von Kapitel 2 “Die Bedeutung von Erdöl” darauf hingewiesen, dass 95% aller industriell gefertigten Produkte heute von der Verfügbarkeit von Erdöl abhängen. Erdöl ist damit nicht nur der Ausgangsstoff für die Produktion von Treib- und Schmierstoffen, sondern in Form von Rohbenzin auch für alle organischen Polymere (Kunststoffe). Es ist damit der wichtigste Rohstoff bei der Herstellung von so unterschiedlichen Produkten wie Pharmazeutika, Farbstoffen oder Textilien. Neben Flügen und Autofahren würde auch der Import von Waren aus anderen Ländern, die globale Arbeitsteilung auf der unsere Wirtschaft basiert und selbst die Herstellung der alltäglichsten Dinge zuerst sehr teuer und später nahezu unmöglich. Eine starke Verteuerung des Erdöls stellt für die Verfasser der Studie daher ein systemisches Risiko dar, weshalb sie dringendst zu einem zügigen Umsteuern in der Energiepolitik raten.
Auch wenn der genaue Zeitpunkt des Peak-Oil - von dem an nicht mehr sondern nur noch weniger Erdöl gefördert werden kann - nicht genau zu bestimmen ist und auch die in der Studie dargestellten Entwicklungen nicht zwangsläufig eintreffen müssen, halten die Experten der Bundeswehr eine Vorbereitung auf den Peak Oil für zwingend notwendig und sinnvoll. Da die Umstellung auf eine Gesellschaft, die nicht mehr von fossilen Ressourcen wie dem Erdöl abhängig ist, ihre Zeit braucht, müssten die Gefahren einer nachlassenden Verfügbarkeit der Ressourcen im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert werden. Nur so könne das notwendige Problembewusstsein für anstehende Weichenstellungen entstehen. Gleichzeitig müssten eigene Möglichkeiten der Vorbereitung geprüft und ergriffen werden.