Zur Zeit wird überall auf der Welt die Elektromobilität als ultimative Lösung auf alle umwelt- und klimapolitischen Probleme gepriesen, die durch den Individualverkehr verursacht werden. Dabei sollte natürlich klar sein, dass auch die massenhafte Einführung von Elektroautos die Probleme beim aktuellen Energiemix nur verlagert. Statt aus den Auspuffen der Autos kommen CO2 und andere Emissionen dann eben vermehrt aus den riesigen Schloten von Kohlekraftwerken oder es fällt noch mehr radioaktiver Müll aus den Atomkraftwerken an. Des weiteren werden bereits bei der Produktion eines Autos Unmengen Energie und Ressourcen verbraucht. Dabei gibt es neben den öffentlichen Verkehrsmitteln gerade in den Ballungsräumen eine sinnvolle Alternative: Radfahren ist in der Stadt oft ähnlich schnell wie Autofahren, hält gesund und schont Geldbeutel und Umwelt gleichermaßen. Kein Wunder, dass in einigen Ländern immer mehr Menschen auf das Rad als Verkehrsmittel umsteigen.

Foto: Garry Knight
Voraussetzungen dafür sind aber nicht nur ein gutes Fahrrad, sondern vor allem auch eine Gesellschaft, welche die Fahrradkultur fördert sowie eine gute und sichere Infrastruktur z.B. in Form von Radwegen. Liegen diese Voraussetzungen vor, nutzen zumeist auch viele Menschen das Fahrrad als umweltfreundliches, gesundes und sparsames Transportmittel. In vielen westeuropäischen Ländern wie Deutschland, den Niederlanden oder Dänemark fahren daher auch nicht die Menschen mit dem Rad, die sich kein Auto leisten können, sondern begeisterte Radfahrer sind querbeet durch alle sozialen Schichten zu finden - vom einfachen Arbeiter bis zum Investmenbanker oder Professor. Allerdings beschränkt sich die Passion für Fahrräder nicht allein auf Westeuropa. Gerade in Asien ist das Fahrrad ein weit verbreitetes Verkehrsmittel, besonders erwähnt sei hier Tokio, wo ebenfalls unzählige Geschäftsleute mit dem Rad unterwegs sind.
Vor dem Hintergrund der Städtebildung - bereits heute leben mehr Menschen in Städten und Ballungsräumen als auf dem Land - werden die stetig zunemenden Staus und Verkehrsprobleme sowie die zunehmende Verschmutzung von Umwelt und Klima nicht mit der Einführung von Elektroautos zu lösen sein. Sie können nur Teil eines Konzepts sein, das aber vor allem auch den Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln sowie fahrradfreundlichen Verkehrswegen vorsieht. Gegenteilige Beispiele sind z.B. die USA, wo Fahrradwege beinahe unbekannt sind, die Städte und Vorstädte sich über riesige Gebiete ziehen und die Menschen daher lieber im riesigen Pick-Up anstatt mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. In Megastädten wie New York City ist das Radfahren zudem lebensgefährlich, so dass sich nur Fahrradkuriere und besonders Mutige mit dem Rad auf die Strasse trauen.
Aber auch innerhalb eines Landes kann es deutliche Unterschiede geben, wie beispielhaft die USA oder Kanada belegen. Wer z.B. schon einmal in Toronto und Vancouver war, der kann feststellen, dass in Vancouver rund um Stanley Park und Innenstadt viele Menschen miit dem Rad unterwegs sind und es auch für Touristen einige Fahrradverleiher gibt. In Toronto ist man stattdessen auf das Auto fixiert und in den Strassenschluchten von Downtown ist zur Rush Hour auch keine Tour mit dem Fahrrad zu empfehlen. Ähnliches gilt für viele Städte rund um den Globus, wie im Artikel “Creating a Cycling Culture in the World’s Cities” auf TreeHugger nachzulesen ist. Als Negativbeispiele werden hier von zwei Fahrradfahrern explizit Istanbul in der Türkei und Städte in Südafrika erwähnt.
Der erste Schritt zu einer fahrradfreundlichen Gesellschaft besteht laut den Autoren und zitierten Personen übrigens darin, Radfahrer und Fahrräder als Teil des Verkehrskonzepts einer Stadt zu sehen. Dies gilt insbesondere für Autofahrer in Regionen, in denen Fahrradfahrer noch etwas “Exotisches” sind.
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