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Interview mit Dr. Shawn Qu (CEO Canadian Solar) zur Zukunft der Solarenergie und Elektromobilität

Veröffentlicht am 9. November 2010,  Kategorie(n): Interviews

Dr. Shawn Qu, CEO von Canadian SolarBisher tragen die Erneuerbaren Energien nur einen kleinen Teil zur Energieversorgung der Menschheit bei, im Gegensatz zu Öl, Kohle oder Uran wird aber immer Wind wehen und die Sonne scheinen, weshalb die Entwicklung und Nutzung von vielen Regierungen gefördert wird. Allerdings gibt es auch Zweiffler und Kritiker, die teils eigene und konträre Interessen verfolgen oder es sich einfach nicht vorstellen können, dass der Strom einmal nur noch aus Solaranlagen, Windparks, Wasser- und geothermischen Kraftwerken stammen wird. Genauso weit weg erscheint manch einem auch der Abschied vom Benzin- und Dieselmotor und der Wandel hin zu einer emissionsfreien elektrischen Mobilität. Allerdings hätte sich vor 200 Jahren zur Zeit der Flugpioniere auch noch niemand vorstellen können, dass es einmal etwas ganz normales sein würde um den Globus zu fliegen. Geschweige denn von Flügen ins Weltall.

Zu den Pionieren der modernen Elektromobilität zählt Louis Palmer, der erste Mensch, der mit Solarenergie um die erde gefahren ist und Initiator des Zero Race. Im Rahmen dieses Rennens starteten vier Teams zu einer Fahrt um die Erde – in 80 Tagen und in Elektrofahrzeugen. Wie Louis Palmer und die Teilnehmer des Zero Race glaubt auch Dr. Shawn Qu, Gründer und CEO von Canadian Solar, an as Potential der Erneuerbaren Energien und der Elektromobilität. Aus diesem grund ist Canadian Solar, einer der weltweit größten Hersteller von Solarmodulen, auch Sponsor des Rennens. Doch welche Chancen haben Elektroautos überhaupt, was ist die beste Lösung hinsichtlich des Ladens und welches Potential bietet die Solarenergie? Diese und weitere spannende Fragen hat Dr. Shawn Qu, Gründer und CEO von Canadian Solar, freundlicherweise im Interview mit dem Grüne Autos Magazin beantwortet:

Grüne Autos Magazin: Nach Jahrzehnten des Stillstands ist die Elektromobilität in jüngster Zeit zum wichtigsten Trend in der Automobilindustrie geworden. Die Fahrzeughersteller planen entweder Elektroautos oder haben bereits spektakuläre Studienvorgestellt. Außerdem zeigen Veranstaltungen wie das Zero Race, dass Elektromobilität heute bereits möglich ist. Was bewegt Canadian Solar, eines der weltgrößten Solarunternehmen, dieses Rennen zu sponsern?

Dr. Qu: Das Zero Race erzeugt Aufmerksamkeit für die beiden größten Herausforderungen für unsere Gesellschaft im 21. Jahrhundert: effiziente und umweltfreundliche Energieversorgung und Fortbewegung. Der Einsatz von Louis Palmer, dem Initiator und Organisator des Zero Race, und seines Teams für erneuerbare Energien macht der Welt deutlich, dass eine emissionsfreie Zukunft möglich ist. Das hat uns tief beeindruckt. Wir wollten daher mit unserer Unterstützung diese Mission zu einem Erfolg machen. Anders als bei anderen Rennen geht es beim Zero Race nicht um Geschwindigkeit, sondern um Kriterien wie Energieeffizienz und Zuverlässigkeit. Diese Ziele decken sich hervorragend mit unseren Unternehmenswerten, da wir sehr viel Wert auf die hohe Qualität und den exzellenten Wirkungsgrad unserer Produkte legen.

Grüne Autos Magazin: Elektroautos allein machen die individuelle Mobilität noch nicht nachhaltig. Um ein echtes emissionsfreies Fahren zu ermöglichen, muss der Marktanteil der erneuerbaren Energien weltweit wachsen. Wie schätzen Sie den Marktanteil der Solarenergie 2020 und 2050 realistisch ein?

Dr. Qu: Obwohl 2050 noch ein weites Stück in der Zukunft liegt, wird dieses Jahr schneller kommen, als wir glauben. Wir erwarten für diesen Zeitraum weiteres Wachstum und noch mehr Marktdurchdringung. Derzeit liegt der Marktanteil der erneuerbaren Energien bei ca. 13 Prozent in der primären Energieversorgung sowie bei 18 Prozent in der weltweiten Versorgung mit Elektrizität. Es gibt daher noch beträchtlichen Spielraum für Wachstum, da sich die Leistungsfähigkeit der Solar- und Windtechnologie kontinuierlich verbessert. Dies gilt in besonderem Maße, weil die Länder erkennen, dass Investitionen in diesem Feld nötig sind, um die Kosten für den Energieverbrauch zu senken. Somit liegt das Ziel, im Jahr 2020 einen Anteil von 20 Prozent an erneuerbaren Energien in der EU zu haben, definitiv im Rahmen des Möglichen.

Grüne Autos Magazin: Das Problem bei Veranstaltungen wie dem Zero Race ist die beschränkte Reichweite der Elektrofahrzeuge, die langen Ladezeiten und die fehlende Infrastruktur. Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Zukunftstechnologien: Ladestationen für zu Hause (evtl. In Verbindung mit einem Solar-Carport), öffentliche Ladestationen oder Batterietauschstationen (siehe Better Place)?

Dr. Qu: Ich glaube nicht, dass man eine dieser Lösungen den anderen vorziehen kann. Alles hängt von den Umständen der Umsetzung ab. Insbesondere in ländlichen Gegenden, wo eine öffentliche Ladestation nicht besonders effizient wäre, ein Solar-Carport jedoch schon. In großen Städten, wo der Parkraum bereits jetzt beschränkt ist, könnten individuelle Ladestationen nicht umsetzbar sein. Dort sind öffentliche Ladestationen oder Batterietauschstationen relevant. Daher ist es wichtig, eine größere Bandbreite an Lösungen auszuarbeiten.

Grüne Autos Magazin: Jeder, der eine Garage oder einen Stellplatz mit Stromanschluss besitzt, kann ein Elektrofahrzeug komfortabel über Nacht aufladen. Anders als in den USA oder Kanada leben die meisten Westeuropäer in Wohnungen, nicht im eigenen Haus, vor allem in der Stadt, wo der Einsatz von Elektrofahrzeugen sinnvoll wäre. Wie und wo können diese Menschen ein Elektrofahrzeug laden, wenn die Ladezeit 8 Stunden beträgt?

Dr. Qu: Zunächst einmal wird sich die Technologie in den kommenden Jahren weiterentwickeln, wodurch sich auch die Ladezeit verkürzen dürfte. Darüber hinaus fördern mehrere Regierungen, darunter auch die deutsche, die E-Mobilität und die Forschung in diesem Bereich ausdrücklich, einschließlich regenerativer Bremsanlagen zur Energierückgewinnung. Wir müssen beim Thema Fortbewegung über den Tellerrand hinausblicken, um die Herausforderung, immer mehr und mehr Menschen von A nach B zu befördern, meistern zu können. Mit jeder neuen Generation der Elektroautos wird die Ladezeit kürzer. Diese Entwicklung verläuft ähnlich der von Solarmodulen in den letzten Jahren. Vor 20 Jahren war die Leistungsfähigkeit von PV-Modulen ziemlich niedrig. Um einige wenige Haushalte mit Energie zu versorgen, war enormer Platz vonnöten. Heute können wir mit einer Solarfläche von nur 6000 m² den Energiebedarf von 100 Haushalten decken. Und wir werden jeden Tag besser. Die Wachstumskurve für die E-Mobilität dürfte ähnlich verlaufen. Wir glauben daher nicht, dass jedes Haus über ein eigenes Ladesystem für Fahrzeuge verfügen muss. Wir erwarten jedoch für die Zukunft eine große Bandbreite an individuellen Lösungen.

Grüne Autos Magazin: Manche Elektroautos und Hybridfahrzeuge verfügen über Solarmodule auf dem Dach oder auf der Motorhaube. Die meisten dieser Fahrzeuge waren jedoch Studien, und derzeit könnte man mit Solarpanels auf dem Auto höchsten die Lüftung betrieben. Ist es zukünftig sinnvoll, leistungsfähigere Solarzellen zu integrieren, oder bleibt das ein Marketing-Gag?

Dr. Qu: Angesichts der Innovationsfreude in der Solarbranche steckt mit Sicherheit ein großes Potential in integrierten Solarlösungen bei Elektrofahrzeugen. Dies steht im engen Zusammenhang mit der Entwicklung der Speichertechnologie. Heutzutage gibt es hochinnovative Ansätze in der Branche, wie zum Beispiel flüssige Solarzellen, die auf verschiedene Oberflächen und Materialien aufgebracht werden können. Lösungen wie diese zeigen, was in der Zukunft möglich ist. Warum nicht diese transparenten, flüssigen Solarzellen auf die Oberfläche eines Fahrzeugs lackieren? Wir müssen uns selbst erlauben, bei der Suche nach Anwendungsmöglichkeiten und Lösungen offen zu sein. Es muss ja nicht unbedingt ein klassisches Solarmodul sein, das auf dem Dach eines Autos befestigt wird. Diese Technologie entwickelt sich mit jedem Prozent Leistungssteigerung bei den Solarmodulen weiter. Ich bin fest davon überzeugt, dass dies mehr als nur eine Marketingsache sein wird. Jedoch können Solarzellen allein natürlich kein Elektrofahrzeug versorgen. Entwicklungen in diese Richtung, sind aber bereits heute Realität, zum Beispiel in den ländlichen Gegenden Afrikas, besonders für Menschen, die im Entwicklungsbereich tätig sind.

Grüne Autos Magazin: Glauben Sie, dass in der nahen Zukunft ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung Elektrofahrzeuge nutzen wird? Und besitzen Sie selbst schon ein Elektrofahrzeug?

Dr. Qu: Ich glaube, dass die Zukunft dem Elektroauto gehört. Es gibt auch keine andere Lösung. Wir können diese Entwicklung bereits in einigen Emerging Markets, zum Beispiel in China, mitverfolgen. Dort genießt die Gesellschaft bereits einen gewissen Wohlstand, wodurch der Wunsch nach dem Besitz eines Fahrzeuges entsteht. Je weiter die Technik voranschreitet, und je erschwinglicher sie für den einzelnen Fahrer wird, desto schneller wird der Markt für Elektroautos wachsen. Ich selbst fahre einen Ford Taurus, aber mein nächstes Auto wird definitiv ein Elektroauto oder ein Hybridfahrzeug sein. .

Vielen Dank für dieses Gespräch!

Weitere Informationen zur Elektromobilität sind unter www.grueneautos.com/elektroautos.php zu finden sowie zum Zero Race unter www.zero-race.com und zu Canadian Solar unter www.canadian-solar.com.

 
 
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Kategorie(n): Interviews
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