Wenn es um die Fortbewegung am Boden geht, dann gibt es zur Zeit keinen größeren Trend als den der Elektrifizierung des Automobils und natürlich auch von Fahrzeugen mit zwei Rädern. Dahinter stehen sowohl der Druck um das Wissen, dass der Mensch nicht ewig weiter Erdöl fördern wird. Aufgrund der weltweit steigenden Nachfrage bei gleichzeitigem Rückgang der Reserven wird der Ölpreis aber ohnehin bereits lange vorher explodieren uns Sprit zu einem Luxusgut machen. Aber auch das Begreifen der menschgemachten Umwelt- und Luftverschmutzung sowie der drohende Klimawandel treiben die Entwicklung des Elektroantriebs für Fahrzeuge in den letzten Jahren an. Während das Elektroauto in den Startlöchern zu stehen scheint, sind Elektroflugzeuge bisher überhaupt nicht im Gespräch. Der Elektroantrieb kommt zur Zeit höchstens bei Solarflugzeugen oder als Hilfsantrieb für Segelflugzeuge zum Einsatz, doch das könnte sich dank PC-Aero vielleicht bald ändern. Denn das Elektroflugzeug ELECTRA ONE hat seinen offiziellen Erstflug am letzten Mittwoch erfolgreich absolviert.
Foto: Jean-Marie Urlacher/Info-Pilote
Erstflug der ELEKTRA ONE ein voller Erfolg, der die Vorteile von Elektroflugzeugen aufzeigt
Vor der Entwicklung stellte sich Dipl. Ing. Calin Gologan, Gründer und Geschäftsführer von PC-Aero, die Frage, was die Elektromobilität in der Luft leisten muss um sich durchzusetzen: Mit Ökostrom aufgeladen würden Elektroflugzeuge keine Emissionen verursachen und die Umwelt schonen, sie würden beim Fliegen keinen Lärm verursachen, müssten eine große Reichweite haben, sich durch niedrige Betriebskosten auszeichnen und natürlich vor allem Sicherheit garantieren. Die ELEKTRA ONE, ein modernes einsitziges Ultraleicht-Elektroflugzeug in Composite-Bauweise, soll bereits all diese Anforderungen erfüllen. Am 23. März 2011 startete es am Flughafen Augsburg seinen offiziellen Erstflug und kreiste nach dem lautlosen aufstieg mit 2 m/s Steigrate in 500 Meter Höhe für 30 Minuten in der Luft. Auf ihrem Erstflug verbrauchte sie nur 3 kWh von den an Bord gespeicherten 6 kWh Energie.
Testpiloten Jon Karkow und Norbert Lorenzen sowie Entwickler Calin Gologan sehr zufrieden
Testpilot beim offiziellen Erstflug am 23. März 2011 war Norbert Lorenzen, der interne Erstflug der ELEKTRA ONE wurde bereits am Samstag, 19. März 2011 vom international bekannten Testpiloten Jon Karkow durchgeführt. Bei den Flügen wurden die Flugeigenschaften getestet sowie wichtige Parameter des Elektroantriebs überwacht und ausgewertet. Beide Testpiloten zeigten sich mit der Stabilität und Steuerbarkeit in der Luft sowie mit den sicheren und guten Landeeigenschaften sehr zufrieden. “Unsere Erwartungen sind übertroffen worden”, resümiert auch Calin Gologan, Geschäftsführer der PC-Aero GmbH, “wir sind überglücklich.”
Elektroflugzeuge: Lokal emissionsfrei, ohne Lärm und niedrige Betriebs- und Wartungskosten
“Wir müssen nicht auf neue Technologien warten, wir müssen nur die jetzigen Komponenten (leichte Strukturen mit hochwertiger Aerodynamik, leichte und moderne Elektromotoren und Batterien) in ein optimiertes System integrieren. Und unsere ELEKTRA ONE ist solch ein modernes einsitziges Ultraleicht-Elektroflugzeug in Composite-Bauweise. Mit ihr und der bereits existierenden Technologie ist es schon heute möglich, mit einem Elektroflugzeug für 1 bzw. 2 Personen ohne CO2-Emissionen über drei Stunden und ohne Lärm zu fliegen. Außerdem sind im Vergleich zu einem klassischen Flugzeug die Betriebskosten weitaus niedriger”, fasst Calin Gologan, Entwickler der ELEKTRA ONE zusammen. Schließlich ist der elektrischen Antrieb nahezu wartungsfreiund die Energiekosten liegen bei Strom deutlich unter denen von Kerosin. “Letzteres ist vor allem für Luftsportvereine interessant.”
Foto: PC-Aero
Details zum Ultraleicht-Elektroflugzeug ELEKTRA ONE von PC-Aero
Die ELEKTRA ONE, entwickelt von Calin Gologan, für Minimum-Energieverbrauch bei 160 km/h, ist ein einsitziges Elektroflugzeug in der Deutschen LTF-UL-Klasse. Als Antrieb dient ein 13,5 kW (Dauerleistung) bürstenloser Elektromotor, der ebenso wie Controller, Batterienmanagement und Propeller von der Firma Geiger Engineering in Bamberg entwickelt wurde. Der Hochleistungsakku ermöglicht eine Flugdauer von über drei Stunden und eine Reichweite von über 400 km. Die ELEKTRA ONE wiegt inkl. Motor und Propeller nur 100 kg und hat ein Maximalgewicht von 300 kg. Bei 100 kg-Batterien bleibt immer noch eine Zuladung von 100 kg. Ein äußerst niedriger Lärmpegel (unter 50 dB) wird durch die Kombination Elektromotor mit niedriger Propellerdrehzahl (unter 1500 RPM) gewährleistet. In Kombination mit einem Solar-
Hangar fliegt sie komplett ohne CO2-Emission. Das System (Flugzeug und Solar-Hangar) soll für weniger als 100.000 EUR auf den Markt kommen. Die Betriebskosten des Flugzeugs liegen unter 35 EUR/Stunde oder 0,2 EUR/km.
In den kommenden Wochen erhält die ELEKTRA ONE einen neuen Verstellpropeller der Firma Geiger Engineering sowie ein einziehbares Fahrwerk. Dadurch werden noch bessere Flugleistungen erzielt. Das Elektroflugzeug wird im April 2011 auch beim Berblinger Flugwettbewerb im Rahmen der Friedrichshafener Messe Aero (April 2011) zu sehen sein, sowie beim “Green Flight Challenge” der NASA im Juli 2011 starten. Geflogen wird es bei beiden Veranstaltungen voraussichtlich von Testpilot Jon Karkow. In Zukunft sollen ein Zweisitzer und ein Elektroflugzeug mit vier Sitzen - Elektra Two und Elektra Four - das Angebot von PC-Aero ergänzen.
Nutzung von Elektroantrieben bei Verkehrsflugzeugen noch lange nicht möglich
Für den kommerziellen Luftverkehr dürfte sich diese Technologie aber noch lange nicht eignen. Da die Batterien eine geringere Energiedichte und gleichzeitig ein höheres Gewicht gegenüber Kerosin als Treibstoff aufweisen, können Elektroantriebe in Flugzeugen nicht die Leistungsdichte von Verbrennungsmotoren erreichen. Hinzu kommt das hohe Gewicht von Verkehrsflugzeugen sowie die zum Teil großen Distanzen, die am Stück geflogen werden.