Veröffentlicht am 18. Januar 2012, Kategorie(n):Sonstiges
Die Erkenntnis, dass der bisherige Weg von Energieerzeugung und Ressourcenverschwendung so nicht weitergehen kann, birgt im Gegensatz zum Irrglauben einiger Kritiker der Energiewende und des New Green Deal nicht nur Risiken, sondern vor allem auch sehr viele Chancen. Sowohl bestehende Unternehmen wie auch Start-Ups haben mit neuen Technologien und Verfahren nicht nur die Möglichkeit etwas für Umwelt- und Klimaschutz zu tun, sondern damit auch viel Geld zu verdienen. Die aussichtsreichsten Innovationen werden vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und dem Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) in diesem Jahr zum dritten Mal ausgezeichnet. Einer der Gewinner des Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt war das neuartiges Verfahren “Ecoloop” zur emissionsfreien Herstellung von Synthesegas (synthetisches Brenngas).
Das neue Verfahren verwendet zur Herstellung des künstlichen Gases Biomasse sowie Sekundärrohstoffe und soll es energieintensiven Industrien ermöglichen, den Einsatz fossiler Brennstoffe und damit den CO2-Ausstoß zu verringern. Die bahnbrechende Methode wurde von der Fels-Werke GmbH aus Goslar entwickelt, einer Tochtergesellschaft der Duisburger Xella Gruppe. Sie wurde von der hochkarätig besetzten Jury unter Vorsitz von Prof. Klaus Töpfer aus einer Vielzahl von Berwerbungen für den Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt 2011 (IKU) ausgewählt. Die wissenschaftliche Bewertung erfolgte durch das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe.
Bei steigenden Preisen für fossile Brennstoffe und sowie der Verschärfung von Umwelt- und Klimaschutzvorschriften, werden Industrieunternehmen weltweit dazu gezwungen, nach neuen Strategien und Technologien für eine sichere, schadstoffarme und bezahlbare Energieversorgung zu suchen. In einem mehrjährigen Entwicklungsprozess, der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert wird, ist es einem Expertenteam der Fels-Werke gelungen, eine neue hocheffiziente und emissionsfreie Vergasungstechnik im Industriemaßstab zu entwickeln - Ecoloop.
Ecoloop: Schadstoff- und rauchgasfreie Vergasung in geschlossenem Kreislauf
Die Ecoloop-Anlage verbindet dabei die bereits in verschiedenen Industrien bewährten großtechnischen Verfahren zu einer neuartigen Technologie. “Kernpunkt ist die Erzeugung eines reinen Brenngases durch Synthese bzw. thermische Spaltung,” erklärt Roland Möller, Spezialist für Chemie- und Verfahrenstechnik und Geschäftsführer der Ecoloop GmbH. “Die Innovation basiert auf einem Schüttgutkreislauf, dem Ecoloop.” In ihm werden in einer intelligenten Kombination Kalk und Ersatzbrennstoffe wie beispielsweise Biomasse, Kunststoffabfälle (Polyethylen (PE), Polyvinylchlorid (PVC) u.a.) oder andere kohlenstoffreiche Materialien zusammengeführt. “Aus diesen Rohstoffen gewinnen wir in einem Schachtofen energieeffizient hochreines Synthesegas, ein Gemisch aus Methan, Wasserstoff und Kohlenmonoxid,” erläutert Möller weiter.
Dr. Herbert F. Müller-Roden Vorsitzender der Geschäftsführung von Ecoloop sowie der Muttergesellschaft Fels-Werke gibt sich zuversichtlich: “Das patentierte Ecoloop-Verfahren wird neue Maßstäbe in der energieeffizienten Verwertung einer Vielzahl von Einsatzstoffen setzen – ganz ohne die Entstehung giftiger organischer Schadstoffe wie zum Beispiel Dioxinen und Furanen sowie ohne Rauchgase, die eine aufwendige Reinigung erfordern würden.”
Neben dem Synthesegas fällt am Ende des Vergasungsprozesses auch sogenanntes Pyrolysekoks an, also Kohlenstoff, der im Rahmen des Kreislaufs erneut als Energieträger genutzt werden kann. Der Ecoloop-Prozess kann sich so nahezu autark mit Energie versorgen (autothermes Vergasungsverfahren), und auch das im Prozess entstehendes Kohlenstoffdioxid (CO2) wird rückgeführt und als Vergasungsmittel verwendet. Der gesamte Prozess findet in einem geschlossenen System statt - also ohne zusätzliche Emissionen an die Umwelt.
Ecoloop leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einem nachhaltigen Klimaschutz im Industriesektor - ein Anliegen, dem sich die Xella Gruppe engagiert widmet. Erst kürzlich hat Xella als Gründungsmitglied zusammen mit den Partnern Deutsche Bahn, EWE, M+W Group, Otto Group und PUMA die Stiftung 2° ins Leben gerufen. Gemeinsam wollen die Unternehmen an konkreten Lösungen für einen effizienten Klimaschutz arbeiten.
Pilotanlage im Industriemaßstab
Die erste großtechnische Pilotanlage entsteht zurzeit im Kalkwerk Kaltes Tal der Fels-Werke im Oberharz. Dort soll das im Laufe des Jahres 2012 gewonnene Synthesegas als Brennstoff für die Kalkproduktion genutzt werden.
Doch die Entwickler denken bereits weiter: “Die Technologie lässt sich nahezu uneingeschränkt auf andere industrielle Anwendungen übertragen und ermöglicht zudem eine standortunabhängige Energieversorgung”, erklärt Möller. Einen weiteren Vorteil sieht er darin, dass der Kapitalbedarf für eine Ecoloop-Anlage deutlich unterhalb der von Ersatzbrennstoff-Kraftwerken liege – “und das bei einer wesentlich höheren Flexibilität hinsichtlich der Qualität des Input-Materials.”
Weitere Informationen zu Technologie und Unternehmen sind auf der Webseite unter www.ecoloop.eu zu finden.